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Richtig kalkuliert – So viel kostet der Unterhalt eines ULs

Ab 45 Stunden innerhalb eines Jahres rechnet sich nach unserer Beispielkalkulation die Anschaffung eines eigenen ULs.

Laut dem vom Luftsportgeräte-Büro des DAeC veröffentlichten Geschäftsbericht 2015 fliegen in Deutschland 4.064 aerodynamisch gesteuerte ULs und 585 Tragschrauber durch die Lufträume. Jährlich kommen derzeit 169 aerodynamisch gesteuerte ULs und 58 Tragschrauber hinzu. Bei 17.275 aktiven Lizenzen für aerodynamisch gesteuerte ULs und 1304 aktiven Lizenzen für Tragschrauber wird demnach ein UL rein rechnerisch von vier Piloten geflogen bzw. genutzt. Der Großteil der UL-Piloten ist somit nicht mit einem eigenen Flugzeug unterwegs, sondern teilt sich dieses mit mehreren Piloten. Ist das Fliegen mit eigenem Flugzeug zu teuer? Ab wann lohnt sich ein eigenes Flugzeug überhaupt? Wir haben für Euch kalkuliert.

Wer kennt es nicht. Die Lizenz samt Passagierberechtigung ist in der Tasche. Die ersten Verwandten, Bekannten und Freunde werden aufmerksam und melden Interesse an einem Rundflug an. Der wohl häufigste Weg für neue Piloten ist jener, im gemachten Nest zu verweilen und bequem bei der Ausbildungseinrichtung oder dem beheimateten Verein zu chartern.
Hierbei steht jeder Pilot vor den gleichen Problemen: Ein längerer Ausflug muss je nach durchschnittlicher Auslastung des Vercharterers weit im Voraus geplant werden und oft steht das UL spontan nicht zur Verfügung, da es entweder von anderen Piloten oder für die Schulung eingesetzt wird. Schnell kommt der Gedanke auf, sich ein eigenes Ultraleichtflugzeug anzuschaffen. Auf dem Flugzeugmarkt ist eine gut erhaltene C42 A derzeit immerhin schon ab ca. 22.500,00 Euro zu haben. Eine kalkulierbare Investition und durchaus erschwinglich. Wüsste der frisch gebackene Pilot genau, welche laufenden Kosten nach dem Kauf auf ihn zukommen, würden sich vielleicht deutlich mehr Piloten für einen eigenen Flieger entscheiden.

Stellplatz, Versicherung und Benzinverbrauch sind die wohl wesentlichen Posten, die jedem in den Sinn kommen. Es gibt jedoch viele weitere kostenverursachende Faktoren zu beachten: JNP, Ölverbrauch, Funkgerät, Verschleiß- und Ersatzteile, Reinigungsmittel, Schirmpacken, Motorüberholung, 100-Stunden-Kontrolle und Rücklagenbildung. Da es sich in diesem Beispiel um eine private Anschaffung mit vergleichsweise geringem Anschaffungswert handelt, lassen wir sowohl die Abschreibung als auch die optionale Vollkaskoversicherung außen vor und kalkulieren mit Endkundenpreisen.

Jährliche Fixkosten

Neben den oben genannten Anschaffungskosten von etwa 22.500,00 Euro fallen weitere Gebühren für die An- bzw. Ummeldung des Luftsportgeräts bei einem der deutschen Verbände und für die An- bzw. Ummeldung der Luftfunkstelle bei der Bundesnetzagentur an. Da es sich hierbei um durchaus überschaubare Gebühren handelt, können wir diese dem Anschaffungspreis zurechnen und in der Stundenkalkulation außer Acht lassen.

Die der hohen Kosten wegen allseits gefürchtete Motorüberholung bei Ablauf der TBO kann einkalkuliert werden, muss im rein privaten Betrieb des ULs jedoch nicht erfolgen. Nimmt man das für ULs übliche 912er Treibwerk aus dem Hause Rotax, würden satte 8.000,00 Euro für die Überholung anfallen. Die TBO liegt heutzutage in der Regel bei 2.000 Flugstunden. Da Luftsportgeräte im privaten Bereich und in Absprache mit der Versicherung auch mit abgelaufener TBO betrieben werden können, verzichten wir in unserem Beispiel auch auf die TBO.

Um ein Flugzeug unterzustellen und die Lufttüchtigkeit zu gewährleisten, fallen in erster Linie Kosten an, die im Jahresturnus auf den Flugzeugbesitzer bzw. -halter zukommen und unabhängig von den geflogenen Stunden in jedem Fall entstehen. Die Kosten für einen Hallenstellplatz betragen monatlich im Durchschnitt ca. 120,00 Euro. Für ein ganzes Jahr müssen demnach voraussichtlich 1.440,00 Euro an den Vermieter überwiesen werden.
Auch die sogenannte CSL- und die Sitzplatzunfallversicherung werden jährlich beglichen. Der gewissenhafte Pilot deckt zusätzlich das eigene Risiko durch eine Pilotenunfallversicherung ab. Die CSL-Versicherung (eine Kombination aus Halter-Haftpflicht- und Passagier-Haftpdlichtversicherung) kostet ca. 300,00 Euro jährlich, die Sitzplatzunfallversicherung rund 50,00 Euro pro Jahr und die Pilotenunfallversicherung weitere 175,00 Euro pro Jahr, wobei wir in unserem Beispiel lediglich von Basistarifen ausgegangen sind. Da die Pilotenunfallversicherung hier nur als gut gemeinter Rat aufgeführt und nicht direkt auf das Flugzeug umlegbar ist, lassen wir diese Versicherung aus den Gesamtkosten für den Versicherungsschutz außen vor. Der Versicherungsschutz macht jährlich also insgesamt 350,00 Euro aus.

Das UL muss darüber hinaus alle 100 Flugstunden der sogenannten 100-Stunden-Kontrolle und jedes Jahr einer sogenannten Jahresnachprüfung (JNP) unterzogen werden. Hierbei fallen im Durchschnitt 250,00 Euro an, wenn die Kosten für einen Ölwechsel und ggf. zu ersetzende Kleinteile wie Zündkerzen, Öl- und Benzinfilter berücksichtigt werden. Aber nicht nur während der 100-Stunden-Kontrollen können Kosten für Verschleißteile anfallen. Hier ein Plattfuß durch Fremdkörper auf der Piste, dort eine defekte Schraube, eine neue ggf. auch leichtere Batterie, die ein oder andere Sicherung, das Beheben von Rangierschäden – diese Liste kann beliebig weitergeführt werden. Erfahrungsgemäß sollten deshalb mindestens weitere 250,00 Euro im Jahr für Verschleißteile und die Bildung einer Rücklage einkalkuliert werden.
Da die Installation eines Rettungsgerätes für Dreiachser in Deutschland verpflichtend ist, muss auch dieses einer entsprechenden Wartung unterzogen werden. Das sogenannte Schirmpacken steht alle fünf Jahre auf der Agenda und kostet rund 1.000,00 Euro, also weitere 200,00 Euro jährlich.

Um das Luftsportgerät auch optisch in Schuss zu halten, will es nach möglichst jedem Flug gereinigt und gesäubert werden. Für Reinigungsmittel sollten demnach weitere 25,00 Euro im Jahr übrig sein.

Kosten pro Flugstunde

Ohne, dass der eigene Flieger auch nur einen Fuß Höhenluft geschnuppert hat, ist bereits ein beachtlicher Kostenhaufen aufgelaufen. Um das Flugzeug zu fliegen, fallen in erster Linie Benzinkosten an. Während man den Ölverbrauch von 0,01 Litern pro Stunde (entspricht etwa 0,12 Euro) getrost aus der Portokasse zahlen kann, nimmt der Benzinverbrauch hingegen größere Dimensionen an. Ein 80 PS Rotax verbraucht ca. 14 Liter MOGAS pro Stunde. Geht man von einem Benzinpreis von 1,75 pro Liter (24,50 Euro/Stunde) aus, wird schnell klar, welch‘ großen Einfluss dieser unverzichtbare Betriebsstoff auf die Kalkulation haben wird.
Im Verein chartert der Pilot das Flugzeug üblicherweise pro Stunde, Flugschulen wollen die Chartergebühren ebenfalls pro Stunde abrechnen. Um einen Vergleich herstellen zu können, müssen die oben genannten Kosten für das eigene Flugzeug also ebenfalls auf eine Flugstunde heruntergebrochen werden. Ein sehr entscheidender Faktor hierbei sind die tatsächlich geflogenen Stunden pro Jahr.
Während Vielflieger die oben als jährliche Kosten anfallenden Posten auf sehr viele Flugstunden verteilen können, kann eine Flugstunde für den Wenigflieger hingegen sehr kostspielig werden. Vor der Anschaffung eines Flugzeugs können diese Stunden anhand des Charterverhaltens leider nur geschätzt werden. In den Folgejahren werden die Kosten pro Stunde mit dem Mittelwert der jeweils im Vorjahr geflogenen Stunden kalkuliert und liefern ein immer genaueres Ergebnis.
Da der durchschnittliche Charterkunde lediglich 15 Stunden jährlich im Flugbuch notiert, kann in einem solchen Fall bereits im Vorhinein davon ausgegangen werden, dass sich ein eigenes Flugzeug der hohen Kosten wegen nicht lohnt. Es gilt für nahezu alle Kosten die Regel: Je mehr Flugstunden absolviert werden, desto günstiger wird die einzelne Flugstunde. Lediglich der Posten Benzinverbrauch ist jener, der pro Stunde immer gleich bleibt. Es ist unerheblich, ob das Flugzeug 100 Stunden oder nur 10 Stunden im Jahr in der Luft ist. Er bleibt stets eine feste Größe in unserer Kalkulation, da der Benzinverbrauch in der 10. Stunde der gleiche ist, wie in der 100. Stunde – 14 Liter. Sparpotential ergibt sich hier leider nur durch günstiges Tanken.
Während eine C42 A inklusive Treibstoff bei kommerziellen Anbietern schätzungsweise 90,00 Euro pro Stunde kostet, müsste der durchschnittliche Pilot für sein Hobby auf dem eigenen Flugzeug satte 193,00 Euro pro Stunde springen lassen, sofern man von 15 Flugstunden pro Jahr ausgeht.

Beispielrechnung mit 15 Flugstunden pro Jahr
Hangar- bzw. Hallenplatz 1.440,00 Euro/Jahr 96,00 Euro/Stunde
Versicherungen: 350,00 Euro/Jahr 23,50 Euro/Stunde
JNP: 250,00 Euro/Jahr 16,50 Euro/Stunde
100-Stunden-Kontrolle: 250,00 Euro/100h 2,50 Euro/Stunde
Rücklagen Rettungsgerät: 200,00 Euro/Jahr 13,50 Euro/Stunde
Rücklagen: 250,00 Euro/Jahr 16,50 Euro/Stunde
Benzin: 1,75 Euro/Liter 24,50 Euro/Stunde
Gesamtkosten: 193,00 Euro/Stunde

40 Stunden rechnen sich

Diese Kalkulation lässt schnell erkennen, dass sich ein eigenes Flugzeug im Vergleich zu den Chartermöglichkeiten erst ab einer größeren Anzahl von Flugstunden pro Jahr lohnt. Fragt man die „alten Hasen“ auf dem Flugplatz, erhält man als Antwort meist die Anzahl von 50 Stunden im Jahr.
Diese Aussage korreliert auch mit unserer Kalkulation, der zufolge das Flugzeug jährlich 40 Stunden in der Luft sein müsste, um unterm Strich einige Cent günstiger betrieben werden zu können als kommerziell gechartert.

Beispielrechnung mit 40 Flugstunden pro Jahr
Hangar- bzw. Hallenplatz 1.440,00 Euro/Jahr 36,00 Euro/Stunde
Versicherungen: 350,00 Euro/Jahr 8,75 Euro/Stunde
JNP: 250,00 Euro/Jahr 6,25 Euro/Stunde
100-Stunden-Kontrolle: 250,00 Euro/100h 2,50 Euro/Stunde
Rücklagen Rettungsgerät: 200,00 Euro/Jahr 5,00 Euro/Stunde
Rücklagen: 250,00 Euro/Jahr 6,25 Euro/Stunde
Benzin: 1,75 Euro/Liter 24,50 Euro/Stunde
Gesamtkosten: 89,25 Euro/Stunde

Lohnt sich das überhaupt?

Unsere Antwort: Ja, es lohnt sich definitiv. Auch, wenn bei einer Flugleistung von 40 Stunden pro Jahr immer noch etwa 89,25 Euro pro Stunde anfallen, hat man mit dem eigenen Flugzeug immer den unbezahlbaren Vorteil der freien Verfügbarkeit. Spontane sowie längere Ausflüge erfordern nicht länger eine Abstimmung mit dem Vercharterer.
Darüber hinaus möchten wir für Wenigflieger den Tipp geben, ggf. eine Haltergemeinschaft zu gründen, um auf die „geforderten“ Flugstunden zu kommen. Kauft und betreibt man ein Flugzeug zu zweit oder zu dritt, steigt die Anzahl der Flugstunden pro Jahr erheblich. Je mehr das Flugzeug in der Luft ist, desto geringer werden die Kosten pro Flugstunde. Geht man von einer Haltergemeinschaft mit drei Piloten aus, die mit dem gemeinsamen Flugzeug jährlich jeweils 25 Stunden in der Luft verbringen, kostet die Flugstunde nur noch rund 60,00 Euro. Aber rechnet gerne selber mal nach.

Unser Fazit

Fliegen bedeutet Freiheit, Fliegen mit dem eigenen Flugzeug noch viel mehr!

Autor: Markus Horowski

Über den Autor

ULMagazin

ULMagazin ist ein junges und modernes Onlinemagazin, das sich dem Bereich der Ultraleichtfliegerei widmet. Das Ultraleichtfliegen hat viel zu bieten. So gilt unsere Aufmerksamkeit allen Formen der ULs: Fußstart, Motorschirm, Dreiachs, Tragschrauber, Gleitschirm uvm.

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