Bericht

Tannkosh 2013 – Ein Fliegerfestival voller nachhaltiger Eindrücke

Die 20. Ausgabe des größten Fly-Ins in Europa war ein einzigartiges Erlebnis und hat wieder tausende Piloten und Gäste nach Tannheim gelockt.

Tannkosh ist für uns bisher nur ein Mythos gewesen. Viel hatten wir davon gehört, doch niemals die Zeit und Gelegenheit gefunden, selbst Teil dieses Fly-Ins zu werden. Dies sollte sich in diesem Jahr endlich ändern. Bereits privat hatten wir uns das Datum im Kalender markiert, mit der Gründung des ULMagazins wurde die Teilnahme nun obligatorisch. Wir freuten uns darauf wie kleine Kinder. Endlich würden wir auch wissen, wie Tannkosh ist! Nachdem wir uns gegen eine Anreise mit dem UL entschieden hatten (dafür hatten wir dann doch einfach zu viel Gepäck), sind wir am Freitag, als das Fly-In schon im vollen Gange war, ins Auto gestiegen und die rund 550 km runter nach Tannheim gefahren.

Flugzeuge leiten den Weg

Wir hatten während der Fahrt kein Navi gebraucht, denn wir mussten nur der A7 folgen. Als wir uns der betreffenden Autobahnausfahrt näherten, die wir bereits auf unseren Wegen zur AERO in Friedrichshafen gesehen hatten, wollten wir erst unsere Handys zu Hilfe nehmen, doch das brauchten wir gar nicht. Rechts und links der Autobahn tauchten plötzlich immer mehr Flugzeuge auf und zogen ihre Kreise in den Holdings. Einige weitere Flugzeuge befanden sich augenscheinlich im Steigflug auf dem Rückweg und einige im Anflug auf Tannkosh. Wir waren eindeutig richtig hier und brauchten nur noch, den begeisterten Blick immer wieder gen Himmel gerichtet, den Flugbewegungen zu folgen.

Je näher wir dem Flugplatzgelände kamen, desto zahlreicher waren die Flugbewegungen. In kurzen Abständen starteten Flugzeuge unterschiedlichen Typs und machten sich auf dem Rückweg. Dann hörte dieser Strom plötzlich auf und die wartenden Flugzeuge in den Holdings wurden wie an einer Perlenkette heruntergezogen. Es war ein unglaublich spektakulärer Anblick, den wir zum ersten Mal erleben durften und der uns nicht nur beeindruckt, sondern vor allem auch zum Strahlen gebracht hat. So viele Flugzeuge allen Typs an einem Ort! Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus! Wir fühlten uns sofort als Teil eines unglaublichen und bewegenden Ereignisses.

Herzliches Willkommen

Nach der problemlosen Akkreditierung haben wir direkt die vielfach gelobte und bekannte Freundlichkeit und Herzlichkeit des Tannkosh-Teams kennengelernt. Wir hatten ziemlich viel Gepäck dabei (Zelt, Schlafsäcke, Kameraequipment etc.) und wollten bei Carsten, einem lieben Fliegerkollegen, den wir über das ulForum.de kennen- und schätzen gelernt haben, auf der Flightline unter der Fläche seiner C42 unterkommen. Das Areal ist unglaublich groß und unser Weg vom Parkplatz, auf dem wir auch noch ganz hinten untergekommen waren, bis zur C42 wäre sehr weit gewesen. Zudem hätten wir aufgrund der Masse des Gepäcks mindestens zweimal laufen müssen. Kurzerhand brachte uns Carsten zu einer resoluten und herzlichen Dame aus dem Team, die uns dann eine Sonderfahrt mit dem Flightline-Taxi besorgte. Es brachte uns zum Auto, wo wir unser Gepäck einluden und dann zum Zeltplatz, wo schon die „Rennmotte“ ihre Fläche wartend über den Rasen hielt.

Mittendrin

Einfach ein tolles Willkommen, und der Abend würde noch viel besser werden! Nach dem Zeltaufbau und einigen Verweilminuten an der Flightline (weiterhin mit großen Augen ob der Masse an Flugzeugen) fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Festbereich von Tannkosh und mischten uns unter das Volk. Die Stimmung war einzigartig locker und ausgelassen. Zahlreiche Menschen hatten sich bei dem schönen Wetter entweder auf die Bänke gesetzt, aßen, tranken, lachten oder wandelten auf den Wegen hin und her und beschauten die Flugzeuge oder besuchten die Stände der über 100 Aussteller. Als es dunkel wurde, erlebten wir einen eleganten Segelkunstflug mit Pyrotechnik und auch der choreografierte Helikoptermodellflug mit LED-Beleuchtung zu einem Musikmedley war ein Erlebnis.

Den restlichen Abend verbrachten wir im Festzelt und ließen uns von den „Monroes“ bestens unterhalten. Die Musiker kochten innerhalb kürzester Zeit das Zelt hoch und keine fünf Minuten nach den ersten Klängen standen die Menschen auf den Bänken und ließen sich von der Musik mitreißen. So ausgelassen haben wir Menschen selten erlebt. Alle scheint während Tannkosh ein Ziel zu vereinen: einfach relaxen, feiern und das Jetzt und Hier in vollen Zügen genießen. Erst spät in der Nacht sind wir in unser Zelt geklettert und haben noch einmal den Tag Revue passieren lassen. Voll von Eindrücken sind wir erschöpft, aber glücklich eingeschlafen.

Wunderbare Morgenstimmung

Am nächsten Morgen weckte uns die Transall auf der anderen Seite der Piste mit dem Anlassen ihrer Triebwerke. Es war erst 6:30 Uhr, trotzdem hielt besonders mich nichts mehr im Zelt. Kaum ein paar Stunden geschlafen, lockte mich die eindrucksvolle Morgenstimmung hinaus. Unser Fliegerkollege Carsten baute bereits sein Zelt ab, da sich für den späten Nachmittag eine Gewitterfront angekündigt hatte und auch der Sonntag wettertechnisch als nicht fliegbar vorausgesagt war. Für viele, die Montag unbedingt zu Hause sein mussten, blieb also nur der Samstagvormittag-/mittag, den Abflug von Tannkosh anzugehen.

Aufbruchsstimmung

Aus diesem Grund ging es dann auch ab 8 Uhr sehr rührig zu. Kaum aufgestanden packten viele Piloten ihre Sachen zusammen und warfen die Motoren ihrer Flieger an, um den Heimflug anzutreten. Aufgrund der stetig steigenden Frequenz derer, die abreisen wollten, standen bald zahllose Flugzeuge auf beiden Seiten der Piste in der Warteschlange. Der Motorenlärm war stetiger Begleiter und zu gucken gab es unglaublich viel. Ich saß mit der Kamera im Schoß vor unserem Zelt und verfolgte das bunte Geschehen. Immer wieder nahm ich die Kamera hoch, um ein abfliegendes oder vorbeirollendes Flugzeug zu fotografieren. Es war einfach fantastisch!

Tannkosh steht still

Am frühen Mittag dann jedoch erfuhr dieses spektakuläre Schauspiel eine abrupte Unterbrechung. Ein Doppeldecker, ein Oldtimernachbau, geriet beim Start ins Schlingern und durchpflügte die Flighline samt dort stehender Flugzeuge, Zelte und Gäste. Innerhalb weniger Sekunden stand alles still. Es war, als hielte ganz Tannkosh den Atem an. Zwei Stunden der gespenstischen Ruhe und der Spekulation, aber vor allem der Hoffnung, dass trotz eingetroffenem Rettungshubschrauber nichts Schlimmes passiert war. Nach und nach sickerten Informationen durch: Drei Verletzte, einer davon schwerer verletzt und die Unglücksmaschine sowie ein auf der Flightline stehendes Flugzeug Totalschaden. Wir atmeten hörbar auf, doch die Stimmung blieb für eine Weile gedämpft. Die Motoren der abreisebereiten Maschinen wurden wieder angelassen und weiter ging es mit dem Ausflug der Flugzeuge.

Gegen späten Nachmittag fegte dann die Gewitterfront vor allem in Form von starkem Wind und Böen über das Flugplatzareal. Die grauen Wolken ließen jedoch nur ein paar Regentropfen fallen. Nachdem sich das Wetter wieder beruhigt hatte, haben wir erstmalig an diesem Tag unseren Platz auf der Flightline verlassen und die Freilandduschen neben dem Festzelt aufgesucht. Ein Erlebnis, das wir auf jeden Fall nicht missen wollten. Witzig war, dass die Planen um die Bereiche der Damen- und Herrenduschen nicht alle komplett fest waren und somit eine Lücke entstand, die den kurzen Durchblick „auf die andere Seite“ ermöglichten. Markus hat so zumindest einen Blick auf mich erhaschen können, obwohl ich die ganze Zeit darum bemüht war, die wehende Plane entsprechend zu umgehen.

Am frühen Abend unterhielt uns Nicolas Ivanoff mit einer weltklasse Kunstflugkür und etwas später stand noch ein wichtiger Programmpunkt an: Das Looping-Battle zwischen den Flying Bulls Matthias Dolderer mit seiner Edge 540 und Rainer Wilke mit seiner BO 105. Kunstflugzeug gegen Helikopter! Drei Minuten lang machten Matthias und Rainer Looping um Looping und am Ende stand es mit 18 zu 18 Gleichstand.
Doch das sollte nicht alles sein. Direkt nach dem Wettbewerb überflogen zwei Transporthubschrauber CH-53 begleitet von Matthias Dolderer in seiner Edge den Flugplatz und zeigten ihre beeindruckende Kraft.

Den restlichen Samstagabend ließen wir ruhig angehen, da wir durch die kurze, zurückliegende Nacht und die Eindrücke des Tages etwas kaputt waren. So sicherten wir uns eine leckere rote Wurst im Semmel und wanderten gemütlich über das Gelände. Die Hangarparty behielten wir uns für das nächste Mal Tannkosh vor und sind relativ früh im Zelt gelandet.

Verregneter Sonntag

Der nächste Morgen empfing uns mit Regen, der bereits in der Nacht mehrfach und hartnäckig auf unser Zelt geprasselt hatte. Er sollte stetiger Begleiter an diesem Sonntag werden. Nach morgendlicher Katzenwäsche sind wir zusammen mit dem benachbarten Zeltpärchen Oliver und Antje rüber zum Frühstück gefahren. Mit ihnen hat uns auch der restliche Tag verbunden, denn die beiden hatten das Risiko auf sich genommen, mit ihrer Aquila eben nicht mehr am Samstag aufzubrechen und mussten aufgrund der Wetterlage bald einsehen, dass sie mit dem Flugzeug an diesem Tag nicht mehr zurückkommen würden.

Nach dem Frühstück und mehreren angehängten Kaffees im Schutz des Redbull-Zeltes sind wir im dicksten Regen gemeinsam noch durch den Ausstellerbereich gegangen und haben uns die Flieger und Helikopter angesehen. Trotz des miesen Wetters waren wir guter Stimmung und haben uns sehr nett die Zeit vertrieben.

Als definitiv klar war, dass eine Abreise mit dem Flugzeug an diesem Tag nicht möglich sein würde, haben wir den beiden angeboten, sie mit dem Auto bis zu ihrem Heimatplatz, Egelsbach bei Frankfurt, mitzunehmen. Im strömenden Regen bauten wir die Zelte ab und verstauten alles in meinem kleinen Auto, das wir über die Felder bis zur hinteren Sperre vorgefahren hatten. Während die beiden das Verzurren ihres Fliegers und die spätere Übergabe organisierten, suchten wir uns einen Platz unter dem Vordach des Festzeltes, wo einige gestrandete Piloten über ihren Karten und iPads saßen und augenscheinlich auf eine Lücke warteten, die jedoch einfach nicht kommen wollte. Lediglich ein paar Echo-Maschinen mit IFR-Ausstattung machten sich auf den Heimweg. Ein Bekannter versuchte noch mit seinem UL zu starten, kehrte jedoch keine zehn Minuten später wieder nach Tannheim zurück. Kein Durchkommen.

Trotz dieser widrigen Wetterumstände fiel uns von unserem Platz aus auf, dass nach wie vor die zuvor stets gefühlte Tannkosh-Stimmung vorherrschte. Die Gesichter waren nicht angespannt oder genervt verzogen, sondern zeigten eine grundlegende Entspannung und eine „Ist halt so, was soll ich mich jetzt ärgern“-Haltung. Auch wir haben dem Regen ein Lachen entgegengehalten und dieses auch während der stundenlangen Autofahrt durch dichten Regen und aufliegender Bewölkung, die sich erst hinter Frankfurt verflüchtigte, nicht verloren.

Fazit

Tannkosh hat uns ein unglaublich schönes, bewegtes und beeindruckendes Wochenende beschert. 1.398 Flugzeuge hat das Tannkosh-Team gezählt, dazu 2.056 Flugbewegungen und ca. 15.000 Besucher. Wir verstehen jetzt, warum so viele Piloten und Interessierte ihren Weg nach Tannheim finden. So, wie Fabian zusammen mit seiner Frau Denise, die seit 2006 jedes Jahr mit einem befreundeten Pärchen das Fly-In besuchen. „Tannkosh bedeutet einfach gute Stimmung. Es ist unkompliziert, familiär und macht einfach Spaß“, so Fabian im Gespräch. In diesem Jahr waren sie fünf Tage dort, sind bereits am Mittwoch mit zwei Ultraleichtflugzeugen und einem Versorgungsfahrzeug, das neben Zeltutensilien auch einen Gasgrill, einen Kühlschrank uvm. enthielt, angereist. Sie haben im Laufe der Jahre viele nette Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Mit ihren auffälligen T-Shirts zeigten sie ihre Verbundenheit mit Tannkosh.

Wir können ihre Begeisterung nur zu gut verstehen! Wir haben in diesem Jahr erstmalig den Zauber, den Spirit von Tannkosh erlebt und er hat uns nachhaltig beeindruckt.

Bei all dem Programm drum herum, von dem wir hier nicht alles wiedergeben konnten, ist das größte Fly-In Europas ganz eindeutig ein Ort des gemeinsamen Verweilens, des Kennenlernens und des Seele-baumeln-lassens. Eben das, was das Tannkosh-Team immer voranstellt: Ein Fly-In „von Piloten für Piloten“.

Veröffentlichter Bericht aus dem ULMagazin Heft Nr. 1/2013

Über den Autor

ULMagazin

ULMagazin ist ein junges und modernes Onlinemagazin, das sich dem Bereich der Ultraleichtfliegerei widmet. Das Ultraleichtfliegen hat viel zu bieten. So gilt unsere Aufmerksamkeit allen Formen der ULs: Fußstart, Motorschirm, Dreiachs, Tragschrauber, Gleitschirm uvm.

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