Bericht

Von der C22 in die CTSW – Tobias beginnt seine Flugausbildung

Ja, ich will…!

Kaum aus der C22 nach meinem Schnupperflug ausgestiegen, wurde mir klar: Ich WILL, nein ich MUSS unbedingt fliegen lernen! Um trotzdem nichts zu überstürzen, gab ich mir noch ein paar Tage Zeit, um festzustellen, ob ich wirklich derart vernarrt in die Fliegerei sein könnte. Nachdem dieses euphorische Gefühl zum einen und der innere Drang, mir eine Flugschule zu suchen, über den gesetzten Zeitraum nicht schwächer, sondern im Gegenteil noch stärker wurden, warf ich auch meine letzten Zweifel über Bord: Es ist mit Sicherheit nicht das günstigste Hobby, aber nachdem ich einen Finanzplan aufgestellt hatte, war klar, dass ich mir die Fliegerei wirklich auch leisten konnte.

Informationen auf ulForum.de

Bei meiner Recherche im Internet wurde ich dann zum ersten Mal auch auf das ulforum.de aufmerksam und las – oder besser gesagt: verschlang – einen Forenthread nach dem anderen und eignete mir auf diese Weise bereits theoretisches Wissen an. Auch suchte ich dort auf der Karte, die UL-Flugschulen in Deutschland verortet, nach Flugschulen in meiner Nähe.
Da ich aus der Nähe von Esslingen am Neckar komme, kamen eigentlich nur Flugschulen östlich davon in Frage. Aus einem simplen Grund: In Richtung Westen und damit Stuttgart sind die Straßen immer dermaßen verstopft, dass es die Anfahrt zu einem Flugplatz in unendliche Längen ziehen würde. Nicht wirklich erstrebenswert!

Wahl der Flugschule

Damit standen nur noch zwei Flugplätze mit ihren Flugschulen zur Wahl: Zum einen auf dem Segelfluggelände Nortel und zum anderen auf dem Flugplatz in Donzdorf (EDPM). Also nahm ich mir zwei Wochenenden im kalten Dezember frei und besuchte beide Flugplätze. Ich wurde auf beiden sehr freundlich empfangen, wenn ich auch das Gefühl hatte, in Donzdorf herzlicher empfangen worden zu sein.
Der herzlichere Empfang und zudem die Tatsache, dass keine Aufnahmegebühr für Nicht-Flieger anfallen würde, ließen dann die Waagschale zugunsten der Fliegergruppe Donzdorf sinken. Ab dem 01. Januar 2012 war ich dort Mitglied – die Betonung liegt auf war, denn im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Schulungsbedingungen für mich dort leider doch nicht optimal waren.

FlightDesign CTSW

Mein neuer Fluglehrer, Bernie, nahm mich schon beim ersten Besuch mit zu meiner zukünftigen Schulungsmaschine: Eine FlightDesign CTSW mit 100 PS Rotax-Motor – schickes Ding! Ich durfte auch gleich probesitzen – ein Probeflug war leider zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, da auf der Start- und Landebahn eine Schneedecke von knapp einem halben Meter lag. Aber trotzdem: Die Maschine machte einen soliden Eindruck und als ich von einer Reisegeschwindigkeit von knapp 230 km/h hörte, war ich sehr erstaunt – ich kannte ja bisher nur die C22, die mit 100 km/h eher gemächlich unterwegs ist.

Voraussetzungen

Die Wahl des Schulungsortes war getroffen. Nun galt es, auch die Voraussetzungen zu erfüllen, um irgendwann auch ohne Fluglehrer fliegen zu dürfen. Diese sind (bezogen auf Deutschland, Stand November 2012):

Teilnahme an „Sofortmaßnahmen am Unfallort“ oder Kopie des Führerscheins
Auszug aus dem Verkehrszentralregister
Flugtauglichkeitsuntersuchung der Klasse II
Polizeiliches Führungszeugnis
Erklärung über schwebende Strafverfahren
Unterschriebene Anmeldung bei einem der beiden UL-Verbände (DULV/DAeC)
Das hört sich jetzt natürlich sehr bürokratisch an – was es zum Teil auch ist. Aber jeder einzelne Verwaltungsakt trägt in diesem Falle dazu bei, dass ihr sicher im Luftraum unterwegs seid.
Da mein Führerschein im Jahre 2000 ausgestellt wurde, brauchte ich mir also keine Sorgen über den Soforthilfekurs machen, eine Kopie meiner Fahrlizenz reichte aus. Das polizeiliche Führungszeugnis beantragte ich im Rathaus meines Wohnortes, dafür musste ich 12,50 Euro bezahlen und bekam es innerhalb von zwei Wochen nach Hause geschickt – auch unproblematisch. Als ich die Ausbildung begonnen habe, war der Auszug aus dem Verkehrszentralregister noch nicht gefordert, die Regelung trat erst zum 01. April 2012 in Kraft. Sicherheitshalber habe ich aber auch diesen angefordert; ihr könnt diesen kostenlos auf http://www.kba.de erstellen und zu euch nach Hause schicken lassen. Die Erklärung über schwebende Strafverfahren sowie die Anmeldung für einen der beiden UL-Verbände bekam ich über meinen Fluglehrer.

Flugtauglichkeitsuntersuchung

Das eigentlich Interessante – und für viele auch Abschreckende – ist der Gang zum Fliegerarzt: Um ein UL fliegen zu dürfen, benötigt ihr eine Flugtauglichkeitsuntersuchung der Klasse II, im Fliegerjargon kurz Medical genannt. Mein Glück war, dass ich im Vorfeld noch keine Horrorgeschichten über Fliegerärzte und Untersuchungen gehört hatte, sodass ich total unvoreingenommen war.
Ich schaute im Telefonbuch nach einem Fliegerarzt und wurde direkt in Esslingen fündig. Ich rief dort an und wurde, als ich erwähnte, dass es um ein Medical ging, direkt zu meinem Fliegerarzt durchgestellt. Der versicherte mir schon am Telefon, dass er da sei, „um Menschen in die Luft zu bringen, nicht um sie am Boden zu halten“. Das war schon einmal eine angenehme Aussage.
Er bat mich, im Vorfeld eine augenärztliche Untersuchung durchführen zu lassen, da er die entsprechenden Geräte nicht selbst in seiner Praxis vorhalten kann. Wir vereinbarten dann direkt einen Termin für das Medical und er empfahl mir auch eine ansässige Augenärztin, bei der ich gleich am nächsten Tag einen Termin bekam.

Augenarzt

Die augenärztliche Untersuchung war recht unspektakulär: Auf einem Stereo-Monitor wurde durch Einblendungen kleiner Punkte meine Rundumsicht geprüft, dann wurde in mein Auge hineingeschaut, ob dort irgendwelche Anomalien zu erkennen sind. Dann wurde noch der allseits bekannte Test auf Farbenfehlsichtigkeiten durchgeführt. Nachdem die Ärztin dann auch noch meine Brille vermessen hatte, bekam ich meine Bescheinigung, dass alles in bester Ordnung sei mit einem Überweisungsträger über knapp 70 Euro in die Hand gedrückt. Die erste Hürde war also geschafft.

Hörtest

Aber das Medical selbst stand ja noch an. Ein paar Tage nach der augenärztlichen Untersuchung fand dann also der eigentliche Hauptteil der Untersuchung statt. Beim Arzt angekommen, wurde ich in einen schalldichten Raum gebracht, in dem eine Arzthelferin mit mir mein Gehör ausgiebig testete. Ich bekam einen Kopfhörer aufgesetzt und musste bei verschiedenen Frequenzen, sobald ich einen Ton wahrnahm, einen Knopf drücken. Hier wurde mir attestiert, dass ich wohl „das Gras wachsen“ hören würde – bestanden!

EKG, Blutdruckmessung, Verständnistest, Urinprobe

Nun ging es an die eigentliche, körperliche Untersuchung. Auch wenn ich dem Idealbild eines Adonis von meiner Statur nicht wirklich ähnlich sehe, verzichtete der Arzt auf ein Belastungs-EKG, da ich mit zu diesem Zeitpunkt 29 Jahren noch recht jung war. Ein normales EKG sowie eine Blutdruckmessung führte er aber durch, ebenso wie ein Wörter-Verständnistest. Letzteren führte er mit dem ICAO-Alphabet durch, das ich aber noch nicht kannte – als ich ihn darauf hinwies, verstand er auch, weshalb ich ihn so schlecht verstanden hatte. Dann musste ich noch ein Becherchen Urin abgeben, und schon war das Medical beendet – keine Horrorgeschichte, keine Hexerei, alles ganz locker – und bei einem super Arzt!

Bestanden!

Und so war es nur die Quintessenz aus allen Untersuchungen, dass ich zwei Tage später mein bestandenes Medical der Klasse II im Briefkasten hatte. Die einzige Auflage, die eingetragen ist, ist das Tragen einer optimal korrigierenden Sehhilfe (also Brille oder Kontaktlinse) und das Mitführen einer Ersatzbrille.

Ausblick

Im nächsten Teil meiner Serie „Tobias lernt fliegen“ erzähle ich euch, wie sich die ersten Flugstunden anfühlten und was mich im Nachhinein doch noch zum Grübeln brachte.

Autor und Foto: Tobias Marx

Über den Autor

ULMagazin

ULMagazin ist ein junges und modernes Onlinemagazin, das sich dem Bereich der Ultraleichtfliegerei widmet. Das Ultraleichtfliegen hat viel zu bieten. So gilt unsere Aufmerksamkeit allen Formen der ULs: Fußstart, Motorschirm, Dreiachs, Tragschrauber, Gleitschirm uvm.

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